Besichtigung der Volksbühne am Rudolfplatz am 20.11.2025
An einem grauen, schon frostigen Donnerstag wurden wir pünktlich um 15:00 Uhr in die wohlgeheizten Räume des Theaters an der Aachener Str. hereingelassen und dort von Axel Molinski, einem der beiden Geschäftsführer der Volksbühne am Rudolfplatz eGmbH, sowie einer Mitarbeiterin empfangen. Beide sollten uns in der folgenden Stunde durch die Räume des Theaters führen.
Mit merklichem Stolz erzählte uns Axel Molinski die Geschichte des Theaters und der neuen Gesellschaft, die seit ihrer Gründung im Jahre 2015 die Bühne bespielt.
Wir erfuhren, dass die Räumlichkeiten des im Jugendstil gebauten „Colonia-Hauses“ zunächst vom benachbarten im 2.Weltkrieg zerstörten Opernhaus als Ballsaal genutzt worden waren. In den Jahren 1936 bis März 2018 war es dann das Zuhause des Volkstheaters Millowitsch.
Da das Gebäude den 2. Weltkrieg weitgehend unbeschädigt überstanden hatte, soll Konrad Adenauer zur Wiederöffnung des Millowitsch-Theaters gesagt haben:
“Ich will dat Se so bald wie möglich wieder Theater spielen können. Die Leute sollen wieder wat zu lachen haben.“ Außerdem soll er als Wunsch an Millowitsch hinzugefügt haben:“ Schicken Se mir zur Premiere 2 Karten, aber Freikarten bitte.“
Durch die in den 1950er Jahren begonnenen Fernsehübertragungen mit Stücken wie „Der Etappenhase“, „Schneider Wibbel“, „Tante Jutta aus Kalkutta“ u.A. , jeweils mit Willy Millowitsch in der Hauptrolle, zählte das Theater zu den bekanntesten Mundartbühnen in Deutschland.
1998 wurde das Theater von Willys Sohn Peter übernommen. Dieser konnte aber nicht an die Erfolge seines Vaters anknüpfen.
Seit Anfang 2015 firmierte die Spielstätte unter der Bezeichnung Volksbühne am Rudolfplatz, getragen vom Verein Freie Volksbühne.
Das Theater wurde dann von Peter Millowitsch, aber auch für andere Veranstaltungen genutzt.
Ende 2016 beendete der WDR die Zusammenarbeit mit Millowitsch. Am 25.3.2018 löste Peter Millowitsch dann sein Ensemble aus wirtschaftlichen- und Altersgründen auf.
Seitdem wird das Programm von der Geschäftsleitung der Volksbühne Köln eGmbH mit Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Musik, Literatur, Kabarett, Comedy und Kleinkunst gestaltet.
Diese hat mit dem zur Zeit gespielten Musical „Himmel und Hölle“, in welchem der Jung Pfarrer Elmar aus der Provinz im Verlaufe nur einer Nacht im heiligen Köln an die Grenzen seines Glaubens stößt, einen riesigen Erfolg. Mit Freude schilderte uns Axel Molinski, dass gerade die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zur 500.(!) Aufführung anliefen.
Der Saal des Theaters verfügt über 402 Plätze, davon 356 im Parkett und 46 (etwas teurere) auf dem Balkon. Der Theatersaal befindet sich im ersten Stock ist nur über eine Treppe zu erreichen. Rollstuhlfahrer können über einen Plattformlift in den Saal gelangen.
Mit sichtlichem Stolz berichtete Axel Molinski über die schwierige, kostenintensive, aber immer denkmalgerechte Sanierung des Theatergebäudes. Er hob dabei auch die erneuerte Licht- und Tontechnik, die neue Klimaanlage sowie die Installation eines Lastenaufzuges, der den Austausch von Bühnenbildern und Dekorationen sowie den Transport eines Flügels auf die Bühne erleichtert, hervor. Für die Renovierung des Büros des Theaterleiters hat es noch nicht gereicht. Dieser muss sich mit einer nur mit einem Heizlüfter beheizten kleinen Kammer unter der Bühne zufrieden geben.
Aktuelles Thema ist die Erneuerung der Bestuhlung der Zuschauerplätze. Da wird noch um die Art und Weise und die Finanzierung diskutiert
Erstaunt erfuhren wir, dass sich die Betreibergesellschaft ohne Fremdmittel finanzieren muss. So kämen die Eintrittsgelder den jeweiligen Veranstaltern zugute. Einnahmen erzielt die Gesellschaft aus der Vermietung, der Gastronomie sowie der Garderobe in Höhe von 2,50 Euro, ein Betrag, über den sich - so Axel Molinski -manch ein Theaterbesucher allerdings so heftig aufgeregt habe, dass er diesem den Betrag aus eigener Tasche erstattet habe!
Nach einer Stunde voller neuer Eindrücke verließen wir, als schon die nächste Besuchergruppe herein strömte, das Theatergebäude und waren dann die ersten Gäste im Brauhaus Pütz in der Balthasarstr. Dort ließen wir uns leckeres Mühlen Kölsch sowie Bratwurst vom Wild-oder Hausschwein schmecken.
Text: Helmut Ritter
